Hilfe, jemand wurde mit meiner Handynummer angerufen!

Aber ich war es nicht! Na, kommt dir diese Aussage bekannt vor? Ist dir das passiert?

Ich habe gestern einen Anruf bekommen von Bob. Er frug, was ich denn wollte, ich habe ihn ja angerufen. Ich hatte aber mein Handy direkt vor mir liegen und war sicher, dass ich Bob nicht angerufen habe – da ich seit Stunden kein Telefonat geführt hatte, ich kenne nichtmal jemanden namens Bob. Also habe ich kurz überlegt, wie Bob an meine Handynummer gekommen ist. Bob bot mir an, Screenshots zu schicken von dem verpassten Anruf auf seinem Handy. Ich war gespannt, die wollte ich sehen.

Ein paar Minuten später hatte ich die Screenshots vorliegen, es sah alles authentisch aus. Bob verhielt sich auch nicht so, als wolle er mich veräppeln, sondern war am Arbeiten wie ich und wollte nur wissen, was ich wollte.

Verpasster Anruf, rot: meine Handynummer vom Betrüger gefälscht, schwarz: Der Rückruf von Bob auf meine Handynummer.

Es war also recht offensichtlich: er hatte einen Anruf von mir bekommen mit meiner Handynummer auf seinem Display ohne dass ich diesen wirklich getätigt hatte. Dem ein oder anderen wird das vermutlich bekannt sein, bei Emails geht das auch problemlos, dass man den Absender fälschen kann, bei Handynummern war mir das zwar bekannt, aber ich hatte bisher noch keinen Fall – bis auf gestern. Das zwang mich quasi zum Handeln, daher auch dieser Post auf meinem Blog.

Mein erster Gedanke: Meinen Provider O2 anrufen und fragen, wer da über meine Telefonnummer telefoniert! Ergebnis: O2 kennt das Problem, kann aber gar nichts machen, da der Anruf nicht über meine SIM-Karte lief und folglich nicht über meinen Provider, sondern über einen Computer, bei welchem die ausgehende Telefonnummer einfach eingetragen werden kann – und da bedient man sich einfach zufälliger Nummern, gern auch ungültiger Nummern – oder eben wie in meinem Fall einer gültigen Handynummer. Telefonnummern gibts ja nun im Netz zu Hauf, so auch meine. Es gibt nur die Verbindung, die zu Bob aufgebaut wurde über seinen Provider und seine SIM-Karte. Ich kann also erstmal gar nichts unternehmen. Ich kann nur 2 Dinge tun:

  1. Anzeige erstellen bei der Polizei
  2. Meldung bei der Bundesnetzagentur machen über den Missbrauch meiner Nummer

Erfolgsaussichten: eher so gegen 0. Wer sich ein bisschen mit IP-Adressen auskennt, weiß, wie schwierig es sein kann, eine mutmaßlich dynamische IP-Adresse einem Standort zuzuordnen, die am Ende eh einem VPN zugeordnet ist.

Also versuche ich erstmal den einfacheren Weg: Meldung bei der Bundesnetzagentur. Dort stockte ich direkt, da es meinen Fall nicht aus Meldungsvorgang gibt, es gibt kein passendes Formular dafür, nur das „Sonstiges“ – Formular hier: https://www.bundesnetzagentur.de/_tools/RumitelStart/Form99Sonstiges/node.html

Screenshot Ausschnitt des Beschwerdeformulars „Sonstiges“ für Missbrauch mit Telefonnummern vom 25.02.2021 von der Bundesnetzagentur

Dort steht aber im Betreff, dass ich die Telefonnummer eingeben soll, über die ich mich beschweren will – das wäre ja paradoxerweise meine eigene ;). Ich habe kurz angerufen und der nette Herr dort meinte, ich solle genau das Formular verwenden, da es für den Fall wirklich noch kein Formular gibt. Er verwies mich aber auch gleich darauf, dass die Betrüger sich hier super hinter dem Datenschutz verstecken, weil die Bundesnetzagentur keinen Zugriff hat auf die Verbindungsdaten der Nutzer und somit ist auch dieser Weg leider eine Sackgasse. Ich habe es trotzdem gemeldet, jeder sollte das auch tun, damit die Anzahl der Missbrauchsfälle statistisch erfasst werden kann und der Druck auf die Politik erhöht werden kann, um Dinge zu ändern.

Warum ist das Ganze nun problematisch und überhaupt einen Blogpost wert?

Klar, man könnte es einfach abtun mit „war ich nicht“. Stimmt ja auch. Aber: Wer glaubt dir, dass du ihn nicht angerufen hast, obwohl deine Nummer auf seinem Display oder Anrufbeantworter gelandet ist?

Folgendes von mir ausgedachtes Szenario ist ein mögliches Problem: Der Anrufer, der sich hinter meiner Rufnummer versteckt, ruft Bob an und macht ihm glaubhaft, dass er jetzt 20.000€ braucht und ihm übermorgen dafür aber 40.000€ zurück schickt – oder der alte Enkeltrick wird genutzt. Bob zahlt das gewünschte Geld am besten noch mittels einer nicht zurückverfolgbaren Bezahlvariante und meldet sich dann die abgesprochenen 2 Tage später bei mir und will nun sein verdoppeltes Geld zurück. Ich weiß natürlich von nichts – das glaubt mir Bob aber nicht. Also geht Bob zur Polizei und erstellt eine passende Anzeige mit allen Informationen, die ihm zur Verfügung stehen: Meiner Handynummer. Die ist natürlich einfach auf mich zurückzuverfolgen und schon ist es an mir, meine Unschuld zu beweisen. Das geht über die beim Provider gespeicherten Verbindungen. Was aber, wenn die dort bereits schon gelöscht sind? Diese Frage konnte mir auch O2 nicht beantworten.

Habt ihr einen solchen Anruf erhalten oder könnt weitere Informationen dazu liefern? Dann nehmt bitte Kontakt mit mir auf, danke :).

Fazit: Nur weil eine Nummer angezeigt wird bei einem Anruf heißt das noch lange nicht, dass das auch die richtige Nummer ist! Und gebt keine Daten raus oder fangt an, Sachen zu bezahlen, wenns nur über das Telefon abgewickelt wird ohne greifbare Nachweise.

Es gibt aktuell, Stand Februar 2021, keine Lösung für dieses Problem.

Paradoxon: Betrüger verstecken sich hinter dem Datenschutz und werden durch die Vorratsdatenspeicherung am Ende auch noch geschützt, weil die Daten nicht lang genug aufgehoben werden. Dabei sollte der Anwender vom Datenschutz geschützt werden und die kurze Datenspeicherung ihn schützen.

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